Lusitano

Mein Herz schlägt für den Lusitano. Seine starke Bindung zum Menschen gepaart mit seiner Lernwilligkeit macht ihn zu einem außergewöhnlichen Pferd. Im Lehrbetrieb setze ich Lusitanos ein, um den Reitschülern ein Gefühl von Leichtigkeit und feiner Dressur zu vermitteln.
Rittigkeit und Versammlungsbereitschaft in Verbindung mit Sensibilität und Nervenstärke machen den Lusitano zu einem hervorragenden Reitpferd. Mir bereitet es große Freude für und mit diesen Pferden zu arbeiten.

– Corinna Hengefeld


Diese Eigenschaften begeistern nicht nur Corinna, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt:

Erste Spuren
atapuercaDer älteste Beleg von Pferden auf der Iberischen Halbinsel besteht aus einem Pferdeschädel und stammt, zusammen mit den ältesten Menschenfunden Europas, aus dem Atapuerca-Gebirge in Nord-Spanien aus dem Ende des Pleistozäns, ca. 780.000 Jahre alt, und ist in dieser Zeit noch als Jagdbeute des Menschen zu interpretieren.

Im Paläolithikum mehren sich die Belege aus Knochen, Felsgravuren und Felsbilder von unterschiedlichen archäologischen Fundstellen der gesamten iberischen Halbinsel und ab ca. 20.000 v.Chr. zeigen die Abbildungen Aktivitäten eine entstehende Pferdekultur.

Bronze- und Eisenzeit
Aus altorientalischen Schriftquellen sind schon im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. Begriffe für Fahren, Wagen und Zugtiere belegt; vom Reiten ist erst im 1. Jahrtausend v. Chr. die Rede. Somit scheint gesichert, dass das „Fahren“ älter ist als das „Reiten“.

Als die Griechen im 8. jahrhundert v. Chr. begannen Handelsplätze auf der Iberischen Halbinsel zu etablieren und somit in Austausch mit den Keltiberern zu treten, trafen sie auf eine blühende Pferdekultur. Die Meinung der Griechen über die Iberischen Pferde hat sich in vielen Schriftquellen und der Mythologie bis heute erhalten.

Ab 680 v.Chr. wurden auch Wagenrennen Teil der Olympischen Spiele und belegen die lange und erfolgreiche Geschichte der Lusitanos als Kutschpferde.

Xenophon
XenophonXenophon, der oft als Begründer der klassischen Dressur angesehen wird, lobt das Iberische Pferd und seine Reiter in einem seiner Bücher, dass um 400 v.Chr. geschrieben wurde. Er sagt:

„Auf Pferden wie diesen, reiten selbst Götter und Helden und derjenige, der gut mit ihnen zu arbeiten weiß, wird herrlich aussehen.“

Bewundernd beschreibt er weiter die Fähigkeit des Iberischen Pferdes sich zu versammeln in Verbindung mit der Kriegstechnik der Reiter nachdem er Zeuge von Sparta’s Sieg gegen Athen im Peloponnesischen Krieg wurde.

Xenophon forderte dazu auf, das Pferd als Partner zu sehen und auch so zu behandeln, da man sich im Krieg und in Notsituationen zu hundert Prozent darauf verlassen können musste. Er lehnte Gewalt strikt ab; Belohnung war für ihn die wichtigste Ausbildungshilfe.

Homer
harpyieHomer schreibt in der Ilias, Kap. 16, über die Iberischen Pferde:

„Sie sind schnell wie der Wind und Söhne der Podarge („die Schnellfüßige“), der Harpyie die vom Wind Zephyr geschwängert wurde, während sie an den Ufern des Flusses Oceanus weidete.“

Aus dieser Verbindung sollen nach Homer die unsterblichen Rösser Xanthos und Balios hervorgegangen sein, die Pferde des trojanischen Helden Achilleus.

Bukephalos
bukephalosAlexander der Große soll einen Nachfahren des Xanthos, oder einen Abkömmling der Rosse des Diomedes geritten haben. Damit könnte Bukephalos gemeint sein (ca. 355 – 326 v. Chr.), das wohl bekannteste Pferd der Antike.

Die Zähmung des Bukephalos durch Alexander ist legendär und sein Vater Philipp II. soll 13 Talente für ihn bezahlt haben, was dem Monatssold von 1500 Soldaten entsprach. Nur Alexander konnte ihn reiten und als er nach der Schlacht am Hydaspes starb, ließ Alexander ihm ein prunkvolles Grab errichten.

Römer
Ab 197 v. Chr. begann die römische Eroberung der Iberischen Halbinsel und auch sie hinterließen ihre Spuren. Sie adaptierten den iberischen Reitstil, errichteten eigene Gestüte und brachten auch das antike Camargue-Pferd mit dessen Fellfarbe heute zu den häufigsten beim Lusitano zählt.
Mauren
Die maurische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel währte von 711 – 1492 n.Chr. und von Zeitzeugen wissen wir, dass die Invasoren, genauso wie die Iberer, große Pferdeliebhaber waren. Die Pferde, die sie mitbracht waren hauptsächlich orientalischen und berberischen Ursprungs. Schon vorher allseits bewundert, brachte diese Verfeinerung der Zucht weitere Vorteile. Damit besaß das iberische Pferd eine perfekte Kombination von Merkmalen: eine große Loyalität gegenüber seinem Reiter, eine große Schönheit, enorme Beweglichkeit und Kraft, dazu eine gehorsame und fügsame Natur.
Wilhelm, der Eroberer
hastingsWilhelm, der Eroberer (1027/28 – 1087) soll zwei schwarze iberische Hengste in der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 mitgeführt haben, wie eine Szene aus dem berühmten Teppich von Bayeux mit einem dieser Hengste eindrucksvoll zeigt.

Wilhelm beendete 1066 die angelsächsische Herrschaft in England und wurde erster normannischer König von England.

Frühe Neuzeit
Durch die kontinuierliche und florierende Zucht über die Jahrhunderte hinweg, wurden die Iberischen Pferde in ganz Europa verbreiten und waren in jedem königlichen Gestüt vertreten.
William Cavendish
William_CavendishWilliam Cavendish, 1. Duke of Newcastle (* 1592; † 1676) war ein englischer General und Politiker. Als Reitlehrer in Antwerpen hat er ein bekanntest Werk zur Reitlehre verfasst:
A New Method and Extraordinary Invention to Dress Horses and Work them according to Nature (1667)

Seine Meinung zum Iberischen Pferd war endeutig:

„… Es ist das edelste Pferd der Welt, das schönste was es gibt. Es hat den größten Geist, besitzt großen Mut und ist gelehrig; es hat den stolzesten Trab und die beste Reaktion, den luftigsten Galopp und ist das liebevollste und sanfteste Pferd und das angemessenste aller Pferde für einen König am Tag des Triumphes.“

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