Hohe Schule des Reitens in Vorselaer

Hohe Schule des Reitens in Vorselaer
Die junge Reitlehrerin Corinna Hängefeld hat sich auf klassische Reitkunst spezialisiert. Auf Hengst Dinamico zeigt sie, wie elegant das aussehen kann. FOTO: Olaf Ostermann

RP Online in Weeze 20.02.2014: Die 23-jährige Corinna Hengefeld hat sich der klassisch iberischen Reitkunst verschrieben. In Weeze gibt sie auch Unterricht auf ihren eigenen Pferden. Eine Ausbildung in Pferde-Physiotherapie soll Problemtiere entspannen. Von Anja Settnik

Ihre Eltern waren dagegen. Kein Wunder. Wer stellt sich seine Tochter nach bestandenem Abitur schon gerne als Berufsreiterin vor? Zumal, wenn er nicht selbst aus der Reiterei kommt. Aber Corinna Hengefeld setzte sich durch, meisterte auch die Hürde, die Vater und Mutter ihr vor die Nase setzten: Geh’ erst mal ins Ausland und mach’ Deine Erfahrungen. Das hat die damals 19-Jährige getan und sich seitdem jeden Tag zu der Entscheidung beglückwünscht: Corinna lebt ihren Traum, arbeitet mit portugiesischen Pferden und vervollkommnet ihre Kenntnisse der iberischen Reitkunst. Ihre vier Pferde – drei Lusitanos, ein Connemara-Pony – und sie selbst sind seit kurzem in Weeze-Vorselaer zuhause.

Dass die Pferdeliebe bei ihr mehr war als eine Mädchenschwärmerei, hat sie durch zielgerichtete Arbeit bewiesen. Während der Jahre am Internat Gaesdonck hat sie die Grundlagen des Dressurreitens gelegt, seit 2008 die Ausbildung der klassischen Reitkunst intensiviert. “Klassisch iberisch” – das ist, was wir vor Augen haben, wenn stolze spanische oder portugiesische Pferde im Stierkampf, beim Rinderhüten oder zu Showzwecken eingesetzt werden. “Hohe Schule”, scheinbar mühelos und in großer Leichtigkeit vorgeführt, ist auf deutschen Dressurvierecken kaum zu sehen. Dafür gibt es eigene und hierzulande sehr seltene Turniere.

Die “Ecole de Légèreté” (Schule der Leichtigkeit) hat die junge Frau beim Südfranzosen Philippe Karl gelernt und in Wales, Portugal und Spanien bei großen Meistern ihres Fachs weiter trainiert. Längst gibt sie selbst Unterricht – zum einen auf ihren eigenen Pferden, zum anderen arbeitet sie mit Reitern in der Region, die weiterkommen wollen. “Viele haben Probleme mit ihren Pferden und suchen einen neuen Zugang”, erklärt die Weezerin. Um Pferdesportler noch intensiver mit den Bedürfnissen ihres Tieres vertraut zu machen, lernt sie derzeit in Dülmen Physiotherapie fürs Pferd. Denn Verspannungen und Unarten haben Ursachen, die verstanden werden sollten, sagt sie.

Pferdeflüsterin nennt sich die 23-Jährige nicht. Wer sie aber in der Arbeit mit ihrem vierbeinigen Sportpartner sieht, dem fallen diese abgedroschenen Begriffe ein. Nach dem Satteln sitzt Corinna Hengefeld nicht gleich auf, sondern führt ihr Pferd erst einmal eine ganze Weile an der Hand. Sie biegt es sanft in die gewünschte Richtung, lässt es durch kaum sichtbare Hilfen Piaffen oder den “Spanischen Tritt” zeigen. Da es Hengste sind, mit denen sie arbeitet, entwickeln sich viele Bewegungen aus dem natürlichen Gebaren des Tieres heraus.

“Einen Stall zu finden, in dem Hengste willkommen sind, war nicht einfach”, erzählt die Reiterin. Die Männer unter den Pferden haben unter Reitern oft keinen guten Ruf – sie bringen Unruhe in die Stallgemeinschaft. In Vorselaer klappt es jedoch bestens; den Jungs ist ein eigener Stalltrakt reserviert, in dem sie ihre Ruhe haben und keine Pferdedamen in die Nasen bekommen. Übrigens sind Dynamico und die anderen Hengste durchaus umgänglich. Und willens, auch andere Reiter als nur ihre Besitzerin mit der klassisch-natürlichen Reitweise vertraut zu machen.

Kontakt zu Corinna Hengefeld: www.equi-art.eu – info(at)equi-art.eu

Quelle: RP – Link: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kevelaer/hohe-schule-des-reitens-in-vorselaer-aid-1.4048826

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